inECHO – usECHO. Worte des Friedens. Spoken Word-Performance Luzern

„Um des lieben Friedens willen
gehen wir dem Streit aus dem Weg.
Wir räumen das Feld für die Zerstörer,
wir lassen sie ungehindert ihr Vernichtungswerk tun.
JA UND AMEN.
Denn schließlich braucht es zum Streiten ja zwei, nicht?
Und wenn einer nachgibt, dann endet der Streit, oder?
Heißt es nicht so schön, „der Klügere gibt nach“?
Wir sagen JA UND AMEN und hoffen, dass es damit getan ist.
Dass der Vernichtungswille befriedigt,
der Zerstörungsdurst gestillt ist.
Und das bringen wir auch unseren Kindern bei.
„Gib ihr halt, was sie will, dann hört sie schon auf.“
„Lass den einfach in Ruhe, dann sucht er sich ein anderes Opfer.“
Denn es gibt immer ein Opfer.
Und wir wissen: Das Opfer ist mit Schuld.
Das Kind, das daheim geschlagen wird:
Warum ist es auch so vorlaut und unfolgsam?
Der Mann, der im Büro gemobbt wird:
Er hat sich eben zu wenig angepasst.
Die Frau, die von ihrem Ex-Partner erwürgt wurde:
Sie hätte sich ja nicht von ihm zu trennen brauchen.
Sie alle hätten JA UND AMEN sagen sollen,
dann wäre ihnen nichts passiert.
So denken wir.
Aber da täuschen wir uns.
JA UND AMEN sind keine Friedensworte.
Wer nämlich den Friedlosen das Feld überlässt,
schafft keinen Frieden.
Wenn der Klügere nachgibt, herrschen die Dummen.
Wenn der Friedliche schweigt, siegt der Krieg.“

Ausschnitt aus meiner Spoken Word-Performance „Worte des Friedens“, die am 21. September 2021 in der St. Karls-Kirche in Luzern stattfand.

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